Festakt zum 50jährigen Bestehen des Westfalen-Kollegs

50 Jahre WKDo„Still nifty at fifty“ – 50 Jahre „Abitur nachholen“ am Westfalen-Kolleg Dortmund

Mit einem gelungenen Festakt feierte das Dortmunder Westfalen-Kolleg am Freitag, dem 14.10.2011, sein 50jähriges Bestehen. Zu der Festgesellschaft zählten auch Schulministerin  Sylvia Löhrmann und  Bürgermeister Manfred Sauer.

Wie kann die Ruhrmetropole angesagte Stadt in einem Lied werden, in dem ein junger Rapper auch noch seine Schule als Teil seiner neuen Identität in den Text integriert? Die Antwort erfuhren die Gäste des Festaktes, ehemalige und aktuelle Studierende sowie Lehrende der Institution, Bildungsträger und Kooperationspartner, zahlreiche Vertreter anderer Schulen des Zweiten Bildungsweges, der Bezirksregierung und der Politik, in dem einstündigen,  abwechslungsreichen Programm anlässlich des 50jährigen Bestehens des Westfalen-Kollegs.

Nach der Begrüßung der Gäste durch die Schulleitung, Dieter Röhrich und Bernhard Reisch, schlossen sich zwei Tischgespräche mit den Schwerpunkten „Das Westfalen-Kolleg gestern und heute bzw. die Zukunft des Westfalen-Kollegs“ an, die durch musikalische Einlagen Studierender der Schule umrahmt wurden. Schnell wurde aus den diversen Beiträgen die Besonderheit dieser Schulform und dieser speziellen Schule deutlich: Begleitung erwachsener Studierender beim Erwerb eines allgemeinbildenden Schulabschlusses (Abitur/Fachhochschulreife), wobei aber auf spezielle Bildungsbiographien Rücksicht genommen wird.

Von den Gesprächsteilnehmern, die an die erfolgreiche Geschichte des Kollegs erinnerten, brachte Friedbert Winkler, Abiturient der Schule aus den 60er Jahren, es treffend auf den Punkt: Das Westfalen-Kolleg war rückblickend für ihn eine black box gewesen, aus der alle, auch seine Mitkollegiaten, wie verwandelt ins weitere Leben herausgetreten seien. Ihn hatte die Arbeit als Vermessungstechniker nicht ausgefüllt und so finanzierte er sich das erste Semester an dieser Bildungseinrichtung noch ganz gebietstypisch durch Arbeit im Bergbau. Auch der aktuelle SV-Sprecher, Michael Köhler, bewertet das Lernen auf Augenhöhe als positiv an der Schulform Kolleg und hebt am Westfalen-Kolleg insbesondere das breite Fächerangebot, die individuelle Beratung und die Palette der Zusatzangebote hervor. Werner Monschein, bis 2009 Lehrer am Westfalen-Kolleg, berichtete von den Freiräumen der pädagogischen Arbeit in den 70er Jahren und stellte den Wandel der Studierendenschaft und die damit geänderten Anforderungen dar. Martina Klein, Lehrerin des Westfalen-Kollegs, benannte gerade die Gruppe der MigrantInnen und der Alleinerziehenden als heutige Zielgruppe der Arbeit am Westfalen-Kolleg. Und so kommt es nicht von ungefähr, dass Paul Weiß, eben jener eingangs erwähnte junge Rapper als Migrant aus Russland am Westfalen-Kolleg in Dortmund eine Bildungsheimat gefunden hat. Wegen der in unserer Gesellschaft typischen Knappheit der Ressource Zeit entschied sich Monika Szcesny für den Bildungsgang Abitur-online, der ihr – durch selbstständiges Lernen am heimischen Computer in Kombination mit Unterrichtszeiten in der Schule am Wochenende  – weiterhin die Ausübung der Berufstätigkeit ermöglichte.

Wie diese für die Podiumsdiskussion ausgewählten RepäsentantInnen der Studierenden von einst und jetzt offenbart auch die von den beiden Lehrkräften des Westfalen-Kollegs, Mechthild Janßen und Klaus Pfeiffer, konzipierte und von der Dortmunder Sparkasse gesponserte Fotoausstellung mit Porträts 50 ehemaliger Studierender der Schule  (von den 60er Jahren bis heute) einen Querschnitt durch die Schulgeschichte. Flankierend zum Festakt in der Mensa ausgestellt, bietet die Fotogalerie den Betrachtenden ein buntes Kaleidoskop aus persönlichen Metamorphosen, wie etwa die des oben angesprochenen Vermessungstechnikers, aus dem – so ist zu lesen – nach dem Besuch des Kollegs ein Jurist wurde. Somit künden diese Vorher-Nachher-Geschichten auch vom Strukturwandel des Ruhrgebiets und in der Gegenwart zudem von der Anbahnung neuer Perspektiven bei angespannterer Arbeitsplatzlage.

In der die Feier abschließenden Gesprächsrunde über die Zukunft des Westfalen-Kollegs Dortmund betonte die Ministerin Sylvia Löhrmann, dass der Umgang mit besonders heterogenen Lerngruppen (verschieden in Altersstruktur, Bildungsbiograhie und kulturellem Hintergrund) und die daran angepassten individualisierten Lernprozesse gerade zu den Stärken der Schulform des Zweiten Bildungsweges gehören. Der Schule schrieb sie in das Stammbuch sich weiter für ungewöhnliche Bildungsbiographien zu engagieren und nannte das Westfalen-Kolleg als Jubilar „still nifty at fifty“. Dem schloss sich Bürgermeister Manfred Sauer an, der dem Westfalen-Kolleg weitere erfolgreiche 50 Jahre in der Dortmunder Schullandschaft als zeitgerechte Schulform für individuelle Lernbedürfnisse voraussagte.

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